Sicheres Verhalten im Rettungsdienst

Rettungskräfte sind einem erhöhten Unfallrisiko ausgesetzt. Dabei spielt neben der Art der Tätigkeit auch das Verhalten der beteiligten Beschäftigten eine Rolle. Aus diesem Grund vereinbarte die UVB mit dem Deutschen Roten Kreuz e.V. Generalsekretariat ein Projekt im Rettungsdienst durchzuführenDas Forschungsprojekt zu Behavior Based Safety (BBS) wurde von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

Die UVB stellt die Erkenntnisse zu den Methoden von Behavior Based Safety allen versicherten Betrieben und Behörden bereit. Durch neue Präventionsprodukte zur verhaltensorientierten Arbeitssicherheit unterstützt die UVB zukünftig interessierte Rettungsdienste, ein BBS-System zur Förderung sicherer Verhaltensweisen einzuführen.

Die Projektzusammenfassung, den Zwischen- und den Abschlussberichte und einen Podcast zu Behavior Based Safety finden Sie in der Infobox "Weitere Informationen" auf der linken Seite.

Neues Präventionsangebot: Online-Coaching zur Einführung von Behavior Based Safety (BBS) in Rettungsdiensten des Deutschen Roten Kreuz (DRK) - Unfälle durch verhaltensorientierte Arbeitssicherheit reduzieren

  • Möchten Sie die Arbeit ihrer Rettungskräfte sicherer gestalten?
  • Spielt bei Unfällen in ihrem Rettungsdienst oft das Verhalten der Mitarbeitenden eine Rolle?
  • Würden Sie die Zahl der verhaltensbedingten Unfälle gerne langfristig reduzieren

Dann sollten Sie wissen, dass die Ursache für einen Großteil der Arbeitsunfälle das Verhalten ist. In den meisten Fällen wäre es nicht zu dem Unfall gekommen, wenn sich Beschäftigte anders verhalten hätten. Verhaltensorientierte Arbeitssicherheit – Behavior Based Safety (BBS) – befasst sich mit der Frage, wie man auf das Verhalten der Beschäftigten Einfluss nehmen kann, sodass häufiger das sichere und seltener das unsichere Verhalten auftritt. Beschäftigte sollen darin bestärkt werden, sich für sichere Arbeitsweisen zu entscheiden.

Im Projekt „Behavior Based Safety (BBS) – Sicheres Verhalten bei Rettungskräften“ der Unfallversicherung Bund und Bahn (UVB) und dem DRK konnte der Anteil sicherer Verhaltensweisen in den teilnehmenden Rettungswachen deutlich und nachhaltig erhöht werden. Nach erfolgreichem Projektabschluss unterstützt die UVB weitere Rettungdienste des DRK dabei, die Methoden der verhaltensorientierten Arbeitssicherheit einzuführen. Durch ein neues Online-Coaching Angebot begleiten wir Rettungswachen Schritt für Schritt bei der Umsetzung von Behavior Based Safety.

 Welche Nutzen hat die Einführung von BBS?

  • Sie schaffen ein höheres Bewusstsein für Unfälle und (unfall-)kritische Situationen.
  • Sie reduzieren unsichere Verhaltensweisen und fördern arbeitssichere Verhaltensweisen.
  • Sie können verhaltensbasierte Unfallzahlen langfristig verringern.
  • Sie etablieren ein positives Feedback unter Kolleg/innen für sicheres Arbeiten.

Wie läuft das BBS-Coaching ab?

In dem modulartig aufgebauten Gruppencoaching vermittelt ein erfahrener Coach das notwendige Wissen und die einzelnen Schritte der BBS-Einführung. Die Module finden als Videokonferenz statt und dauern zwischen 1,5 und 2 h. Zwischen den acht aufeinander aufbauenden Modulen setzen die Teilnehmer/innen die erforderlichen Schritte und Maßnahmen in ihren Rettungsdiensten um.

Das BBS-Coaching beginnt am 1. September 2022 und endet ca. im Juni 2023.

Übersicht der acht BBS-Module

  • Modul 1: BBS kennen und verstehen lernen (01.09.2022)
  • Modul 2: Wichtige BBS-Voraussetzungen prüfen und schaffen (29.09.2022)
  • Modul 3: Die BBS-Maßnahme einleiten – keine Prognose ohne Diagnose (27.10.2022)
  • Modul 4: Planung eines BBS-Planungsworkshops
  • Modul 5: Durchführung des BBS-Planungsworkshops
  • Modul 6: Gründung einer BBS-Steuerungsgruppe - Gemeinsam bewirkt man mehr
  • Modul 7: Vorbereitung und Implementierung des BBS-Systems
  • Modul 8: Startschuss BBS – Schulen, Umsetzen, Profitieren

Die Termine der Module 4 bis 8 werden gemeinsam mit den Teilnehmenden abgestimmt.

Die Teilnehmenden des Online-Coachings erhalten zusätzlich das UVB-Anwenderhandbuch „Behavior Based Safety im Rettungswesen“, in das alle im Projekt gewonnenen Erkenntnisse einflossen.

Wer kann an dem BBS-Coaching teilnehmen?

Das BBS-Coaching richtet sich an Rettungsdienstleitende, Rettungswachenleitende, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Betriebsratsmitglieder, Sicherheitsbeauftragte oder andere BBS-Interessierte aus DRK-Rettungsdiensten, die Mitgliedsbetriebe der UVB sind.

Es können bis zu fünf DRK-Rettungsdienste teilnehmen. Pro Rettungsdienst ist eine Anmeldung von zwei bis drei Personen möglich. Die Teilnahme von zwei Personen pro Rettungsdienst ist erforderlich, um eine gegenseitige Vertretung bei Abwesenheit sicherzustellen.

Bei einer größeren Anzahl an geeigneten Bewerbungen entscheidet das Los.

Welche Voraussetzungen müssen für eine Teilnahme erfüllt sein?

  • Es besteht Interesse an einer langfristigen Umsetzung von BBS auch nach Ende des BBS-Coachings.
  • Zeitliche Ressourcen für die Einführung von BBS stehen zur Verfügung.
  • Eine geeignete Arbeitsschutzorganisation mit einer angemessen durchgeführten Gefährdungsbeurteilung muss vorliegen.

Was kostet das BBS-Coaching?

Das BBS-Coaching ist für Versicherte bzw. Mitgliedsbetriebe der UVB kostenfrei.

Wie kann ich mich bewerben?

Die Bewerbung erfolgt in zwei Schritten.

Schritt 1 - Prüfung der Voraussetzungen anhand des Bewerbungsformulars

Bitte schicken Sie das vollständig ausgefüllte Bewerbungsformular bis zum 24.06.2022 an: Judith.Treiber@uv-bund-bahn.de

Schritt 2 – Erstellung einer Übersicht über Beteiligte an der Einführung von BBS (Stakeholder Analyse):

Hierzu erhalten Sie von uns eine Vorlage, die es Ihnen ermöglicht, alle an BBS beteiligten Personen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf eine erfolgreiche Einführung von BBS zu betrachten. Dies gibt Ihnen und uns die Möglichkeit einzuschätzen, wie die Einführung von BBS in Ihrer Rettungswache bzw. Ihrem Rettungsdienst gelingen kann.

Das Forschungsprojekt „Behavior Based Safety (BBS): Sicheres Verhalten bei Rettungskräften“ wurde von der Unfallversicherung Bund und Bahn (UVB) gemeinsam mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) in Kooperation mit der DRK Rettungsdienst in der Region Hannover gem. GmbH von Juli 2019 bis September 2021 durchgeführt.

Hintergrund

Rettungskräfte sind einem erhöhten Unfallrisiko ausgesetzt. Dabei spielt neben der Art der Tätigkeit auch das Verhalten der beteiligten Beschäftigten eine Rolle. Aus diesem Grund vereinbarte die UVB mit dem Deutschen Roten Kreuz e.V. Generalsekretariat, ein Projekt im Rettungsdienst durchzuführen. Das Forschungsvorhaben wurde von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

Was ist Behavior Based Safety?

BBS ist die Anwendung der Prinzipien der Verhaltenswissenschaft auf das Verhalten von Menschen im Bereich der Arbeitssicherheit. BBS beinhaltet u. a. das Definieren und Beobachten von sicherem Arbeitsverhalten und zeitnahes persönliches und grafisches Feedback an die Beschäftigten. BBS findet vor dem Hintergrund der positiven Verstärkung statt: Sicheres Arbeitsverhalten soll systematisch anerkannt und wertgeschätzt werden.

Ziele

Das Forschungsprojekt hatte zum Ziel, Maßnahmen zu entwickeln und zu evaluieren, die den Rettungskräften dabei helfen, sicherer zu arbeiten. Dazu wurden die Prinzipien von Behavior Based Safety auf die Tätigkeiten von Rettungskräften übertragen und angepasst. Zwei ausgewählte Rettungswachen der DRK Rettungsdienst in der Region Hannover gem. GmbH nahmen an dem Projekt teil. Gemeinsam mit den Rettungskräften wurde ein BBS-System zur verhaltensorientierten Arbeitssicherheit entwickelt und in der Praxis erprobt.

Die Anwendung von BBS im Rettungsdienst soll dazu beitragen

  • ein höheres Bewusstsein für Unfälle und (unfall-)kritische Situationen zu schaffen,
  • unsichere Verhaltensweise zu senken und arbeitssichere Verhaltensweisen zu fördern,
  • (verhaltensbasierte) Unfallzahlen zu verringern,
  • eine systematische Feedbackkultur zur Arbeitssicherheit zu etablieren.

Ablauf und Ergebnisse des Projekts

Vorbereitungsphase (Juli 2019 – Dezember 2019):          

Zunächst wurde im Oktober 2019 ein Sicherheitsassessment in den beiden teilnehmenden Rettungswachen durchgeführt. Das Ergebnis des Assessments lautete, dass das Wissen und die Fertigkeiten der Beschäftigten in Bezug auf sicheres Arbeiten sehr gut waren und dass es nur wenige Verbesserungspotentiale bezüglich der Arbeitsausstattung gab. Doch zeigte sich auch, dass die Beschäftigten zwar wussten, wie sie sicher arbeiten können und auch in der Lage dazu waren, dass sie es aber dennoch öfter nicht taten – weil das sichere Verhalten aufwändiger ist und weil die unsichere Arbeitsweise zur Gewohnheit geworden war. Die Empfehlung aus dem Assessment lautete, dass systematisches Feedback zu sicherem Verhalten den Beschäftigten dabei helfen kann, sicherer zu arbeiten.

Daraufhin fand im November 2019 ein erster Planungsworkshop statt. Daran nahmen neben Vertretern der UVB, des DRK und der FHWS auch Beschäftigte der beteiligten Rettungswachen teil. In diesem Workshop wurden die Ergebnisse des Assessments besprochen und gemeinsam eine Checkliste mit 20 sicheren Verhaltensweisen und Zuständen entworfen, die im weiteren Verlauf des Projekts von externen Beobachtern genutzt wurde.

Umsetzungsphase (Januar 2020 – September 2021)

  • Baseline (Basisratenerhebung)

Im Frühjahr 2020 wurde mit Hilfe dieser Checkliste in beiden Rettungswachen eine Basisrate des sicheren Verhaltens durch Verhaltensbeobachtungen (ohne Feedback) erfasst. Dabei wurde festgestellt, dass das sichere Verhalten im Schnitt bereits zu 52 % bzw. 57 % auftrat.

  • Phase 1 (Intervention)

Nach pandemiebedingter Verzögerung begannen die externen Beobachter im Sommer 2020, den Beschäftigten nach jeder Beobachtung zu den Verhaltensweisen der Checkliste Feedback zu geben. Dadurch stieg der Prozentsatz sicheren Verhaltens auf 76 % in beiden Wachen. Stichprobenartige Follow-Up-Beobachtungen im Sommer 2021 zeigten, dass diese Verbesserung des Sicherheitsverhaltens auch noch ein Jahr später, erhalten blieb.

  • Phase 2 (Follow-up)

Im Sommer 2020 wurde in einem zweiten Planungsworkshop das BBS-System DRK entwickelt. Dieses sah vor, dass sich die Beschäftigten selbst mit Hilfe von Beobachtungskarten gegenseitig beobachten und Feedback geben. Ab November 2020 wurde dieses System in den beiden Rettungswachen eingesetzt und führte auch hier zu messbaren Verbesserungen und einer Stabilisierung des sicheren Verhaltens.

Auswertungsphase

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass BBS nach entsprechend individueller Anpassung erfolgreich auf den Bereich des Rettungsdienstes übertragen werden konnte. Voraussetzung für eine erfolgreiche Übertragung ist, dass die Verhaltensbeobachtungen und das Feedback-Geben zuverlässig durchgeführt werden. Zudem konnte gezeigt werden, dass BBS im Bereich des Rettungswesens selbstständig durchführbar ist, die Verstetigung und Verselbständigung der BBS-Maßnahme hängt jedoch stark von dem Vorliegen bestimmter Begebenheiten, u. a. der Einbindung der Rettungskräfte in Entscheidungsprozesse und der aktiven Unterstützung und Verpflichtung durch die Leitung, ab.

Den Abschlussbericht des Projektes finden Sie auf der linken Seite unter „Weitere Informationen“.

Behavior Based Safety wirkt. Das ist das Ergebnis des Forschungsprojektes, das die UVB gemeinsam mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) und dem DRK durchgeführt hat. Unsere Erkenntnisse zur Wirksamkeit und zur Übertragbarkeit der BBS-Methoden haben wir in neue Präventionsangebote einfließen lassen. Beratung, Seminare, Handlungshilfen: Wir unterstützen Sie, wenn Sie in Ihrem Rettungsdienst ein BBS-System zur Förderung sicherer Verhaltensweisen aufbauen wollen.

Beratung

Was sind die Prinzipien von Behavior Based Safety (BBS)? Wie können wir sichere Verhaltensweisen in unserem Betrieb bzw. Rettungsdienst fördern? Welche Voraussetzungen müssen vor der Einführung von Behavior Based Safety erfüllt sein? Wie kann ich ein BBS-System in meinen Betrieb umsetzen?

Sie haben diese oder andere Fragen zur verhaltensorientierten Arbeitssicherheit? Wir beraten Sie gerne!

Ansprechperson zum Thema BBS:

Judith Treiber
Telefon: 030 - 254489 1533
judith.treiber@uv-bund-bahn.de
 

Qualifizierung

Wir bieten interessierten Rettungsdiensten eine kurze Online-Schulung  zur Einführung in das Thema Behavior Based Safety (BBS) an.

Ziel der Kurzschulung ist es,

  • einen Überblick über die Thematik BBS gewinnen,
  • die BBS-Prinzipien kennenzulernen,
  • den Nutzen und Mehrwert von BBS zu erkennen,
  • die Umsetzung von BBS im Rettungsdienst zu verstehen.

Sie haben Interesse? Mit unserer Ansprechperson zum Thema BBS können Sie einen Termin für eine Online-Schulung abstimmen.

Judith Treiber
Telefon: 030 - 254489 1533
judith.treiber@uv-bund-bahn.de
 

Zusätzlich bieten wir folgendes Seminar zu Behavior Based Safety im Rettungsdienst an. „Sicheres Verhalten fördern, Unfälle vermeiden – verhaltensbasierte Arbeitssicherheit im Rettungsdienst“

Die Teilnehmer/innen des Seminars erhalten das Anwenderhandbuch „Behavior Based Safety im Rettungsdienst“. Diese Handlungsanleitung beinhaltet alle im Rahmen der Forschungsprojektes gewonnenen Erkenntnisse zu BBS im Rettungsdienst. Es beschreibt detailliert die Voraussetzungen und die Vorgehensweise zur Einführung eines BBS-Systems und enthält viele hilfreiche Vorlagen und Muster, u.a. BBS-Betriebsvereinbarung.

 

Praxishilfen

Die UVB-Fachinformation „Verhaltensorientierte Arbeitssicherheit - Behavior Based Safety (BBS)“ gibt auf zwei Seiten eine kurze Einführung in das Thema und zeigt konkrete Umsetzungsmöglichkeiten auf.

Um Ihnen die Beantwortung der Frage „Sind wir bereit für die Einführung von Behavior Based Safety (BBS)?“ zu erleichtern, haben wir eine Checkliste entwickelt. Mit Hilfe dieses Selbsttests für BBS-interessierte Betriebe können Sie herausfinden, ob die erforderlichen Voraussetzungen für die Einführung der BBS-Prinzipien vorliegen.