Sicheres Verhalten im Rettungsdienst

Das Forschungsprojekt „Behavior Based Safety (BBS): Sicheres Verhalten bei Rettungskräften“ wird von der UVB gemeinsam mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) in Kooperation mit der Deutsches Rotes Kreuz Rettungsdienst in der Region Hannover gem. GmbH durchgeführt. Dabei lässt sich Behavior Based Safety im Deutschen am besten mit „verhaltensorientierter Arbeitssicherheit“ übersetzen.

Hintergrund

Rettungskräfte sind einem erhöhten Unfallrisiko ausgesetzt, was sich an kontinuierlich steigenden Unfallzahlen erkennen lässt. Zum Teil resultiert das erhöhte Unfallrisiko und Unfallaufkommen aus der Art der Tätigkeit in Extremsituationen. Eine weitere Ursache liegt aber auch im Sicherheitsverhalten der Rettungskräfte, da sichere Handlungen (zum Beispiel Zuschnüren der Sicherheitsschuhe) geringfügig aufwendiger oder zeitintensiver sind als die riskanteren Varianten (zum Beispiel offenes Tragen der Sicherheitsschuhe).

Im Projekt „Behavior Based Safety (BBS): Sicheres Verhalten bei Rettungskräften“ wird das arbeitssichere Verhalten der Beschäftigten gefördert. Dazu wird der Ansatz Behavior Based Safety genutzt. BBS umfasst eine Sammlung an verhaltensorientierten Methoden, um sichere Verhaltensweisen von Beschäftigten zu fördern. Sie besteht aus fünf aufeinander aufbauenden Grundprinzipien:

  • die genaue Definition sicheren Verhaltens
  • die direkte Beobachtung des Verhaltens am Arbeitsplatz
  • verhaltensbezogenes positives und konstruktives Feedback
  • das Setzen von verhaltensbezogenen Zielen
  • den Einsatz von positiver Verstärkung

BBS gilt als die am besten untersuchte und wirksamste Methode zur Veränderung des Verhaltens im Bereich der Arbeitssicherheit.

Ziele und Nutzen

Gemeinsam mit Prof. Dr. Christoph Bördlein von der FHWS als Fachexperte für BBS und der DRK Rettungsdienst in der Region Hannover gem. GmbH werden die BBS-Prinzipien auf die Tätigkeiten von Rettungskräften übertragen und angepasst. Die FHWS übernimmt die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation des Projektes zur Prüfung der Wirksamkeit der BBS-Methode. Zwei ausgewählte Rettungswachen der DRK Rettungsdienst in der Region Hannover gem. GmbH nehmen an dem Forschungsprojekt teil.

Ziel ist es, gemeinsam mit den Rettungskräften ein BBS-System zur verhaltensorientierten Arbeitssicherheit zu entwickeln und in der Praxis zu erproben. Die im Rettungsdienst bereits umgesetzten technischen, organisatorischen und personenbezogenen (PSA, Unterweisungen) Maßnahmen werden durch verhaltensbezogene Maßnahmen ergänzt. 

Die Anwendung von BBS im Rettungsdienst soll dazu beitragen

  • ein höheres Bewusstsein für Unfälle und (unfall-)kritische Situationen zu schaffen,
  • unsichere Verhaltensweise zu senken und arbeitssichere Verhaltensweisen zu  fördern,
  • (verhaltensbasierte) Unfallzahlen zu verringern,
  • eine systematische Feedbackkultur zur Arbeitssicherheit zu etablieren.

Ziel der UVB ist es, die Erkenntnisse zur Wirksamkeit und zur Übertragbarkeit der BBS-Methoden dem DRK, weiteren Rettungsdiensten und anderen bei der UVB versicherten Betrieben und Behörden bereitzustellen, beispielsweise im Rahmen der Präventionsleistungen Qualifizierung und Beratung.

Das Projekt greift die Handlungsfelder Sicherheit und Gesundheit, Fehlerkultur, Beteiligung und Kommunikation der DGUV-Kampagne kommmitmensch auf.

Die Projektdauer umfasst etwa zwei Jahre.

Umsetzung

Vorbereitungsphase (Juli 2019 – Dezember 2019)

Kooperationsvereinbarung und Vorgespräche mit der DRK Rettungsdienst in der Region Hannover gem. GmbH, Sicherheitsassessments in den beiden Rettungswachen, Planungsworkshop und Erarbeitung der BBS-Checkliste „Sicheres Verhalten bei Rettungskräften“

Umsetzungsphase (Januar 2020 – etwa März 2021)

Baseline (Basisratenerhebung)

Verhaltensbeobachtungen anhand der BBS-Checkliste ohne Feedback an die Rettungskräfte

Phase 1 (Intervention)

Verhaltensbeobachtungen anhand der BBS-Checkliste mit fremdgesteuertem verbalem und grafischem Feedback zu sicheren und unsicheren Verhaltensweisen

Phase 2 (Follow-up)

  • Erarbeitung und Umsetzung eines mitarbeitergetragenen Beobachtungskartensystems zur Verselbstständigung der BBS-Methoden und Verstetigung der Verhaltensänderungen

  • gegenseitige Beobachtung und Feedbackgabe durch die Rettungskräfte anhand einer gemeinsam erarbeiteten BBS-Sicherheitspunktekarte

Auswertungsphase (geplant April 2021 – etwa Juni 2021)

Auswertung und Aufbereitung der Daten, Abschlussbericht, Abschlusstagung, Öffentlichkeitsarbeit zu den Projektergebnissen (zum Beispiel Publikationen, Konferenzbeiträge)