Sicheres Verhalten im Rettungsdienst

Rettungskräfte sind einem erhöhten Unfallrisiko ausgesetzt. Dabei spielt neben der Art der Tätigkeit auch das Verhalten der beteiligten Beschäftigten eine Rolle. Aus diesem Grund vereinbarte die UVB mit dem Deutschen Roten Kreuz e.V. Generalsekretariat ein Projekt im Rettungsdienst durchzuführenDas Forschungsprojekt zu Behavior Based Safety (BBS) wurde von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

Die UVB stellt die Erkenntnisse zu den Methoden von Behavior Based Safety allen versicherten Betrieben und Behörden bereit. Durch neue Präventionsprodukte zur verhaltensorientierten Arbeitssicherheit unterstützt die UVB zukünftig interessierte Rettungsdienste, ein BBS-System zur Förderung sicherer Verhaltensweisen einzuführen.

Die Projektzusammenfassung, den Zwischen- und den Abschlussberichte und einen Podcast zu Behavior Based Safety finden Sie in der Infobox "Weitere Informationen" auf der linken Seite.

Das Forschungsprojekt „Behavior Based Safety (BBS): Sicheres Verhalten bei Rettungskräften“ wurde von der Unfallversicherung Bund und Bahn (UVB) gemeinsam mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) in Kooperation mit der DRK Rettungsdienst in der Region Hannover gem. GmbH von Juli 2019 bis September 2021 durchgeführt.

Hintergrund

Rettungskräfte sind einem erhöhten Unfallrisiko ausgesetzt. Dabei spielt neben der Art der Tätigkeit auch das Verhalten der beteiligten Beschäftigten eine Rolle. Aus diesem Grund vereinbarte die UVB mit dem Deutschen Roten Kreuz e.V. Generalsekretariat, ein Projekt im Rettungsdienst durchzuführen. Das Forschungsvorhaben wurde von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

Was ist Behavior Based Safety?

BBS ist die Anwendung der Prinzipien der Verhaltenswissenschaft auf das Verhalten von Menschen im Bereich der Arbeitssicherheit. BBS beinhaltet u. a. das Definieren und Beobachten von sicherem Arbeitsverhalten und zeitnahes persönliches und grafisches Feedback an die Beschäftigten. BBS findet vor dem Hintergrund der positiven Verstärkung statt: Sicheres Arbeitsverhalten soll systematisch anerkannt und wertgeschätzt werden.

Ziele

Das Forschungsprojekt hatte zum Ziel, Maßnahmen zu entwickeln und zu evaluieren, die den Rettungskräften dabei helfen, sicherer zu arbeiten. Dazu wurden die Prinzipien von Behavior Based Safety auf die Tätigkeiten von Rettungskräften übertragen und angepasst. Zwei ausgewählte Rettungswachen der DRK Rettungsdienst in der Region Hannover gem. GmbH nahmen an dem Projekt teil. Gemeinsam mit den Rettungskräften wurde ein BBS-System zur verhaltensorientierten Arbeitssicherheit entwickelt und in der Praxis erprobt.

Die Anwendung von BBS im Rettungsdienst soll dazu beitragen

  • ein höheres Bewusstsein für Unfälle und (unfall-)kritische Situationen zu schaffen,
  • unsichere Verhaltensweise zu senken und arbeitssichere Verhaltensweisen zu fördern,
  • (verhaltensbasierte) Unfallzahlen zu verringern,
  • eine systematische Feedbackkultur zur Arbeitssicherheit zu etablieren.

Ablauf und Ergebnisse des Projekts

Vorbereitungsphase (Juli 2019 – Dezember 2019):          

Zunächst wurde im Oktober 2019 ein Sicherheitsassessment in den beiden teilnehmenden Rettungswachen durchgeführt. Das Ergebnis des Assessments lautete, dass das Wissen und die Fertigkeiten der Beschäftigten in Bezug auf sicheres Arbeiten sehr gut waren und dass es nur wenige Verbesserungspotentiale bezüglich der Arbeitsausstattung gab. Doch zeigte sich auch, dass die Beschäftigten zwar wussten, wie sie sicher arbeiten können und auch in der Lage dazu waren, dass sie es aber dennoch öfter nicht taten – weil das sichere Verhalten aufwändiger ist und weil die unsichere Arbeitsweise zur Gewohnheit geworden war. Die Empfehlung aus dem Assessment lautete, dass systematisches Feedback zu sicherem Verhalten den Beschäftigten dabei helfen kann, sicherer zu arbeiten.

Daraufhin fand im November 2019 ein erster Planungsworkshop statt. Daran nahmen neben Vertretern der UVB, des DRK und der FHWS auch Beschäftigte der beteiligten Rettungswachen teil. In diesem Workshop wurden die Ergebnisse des Assessments besprochen und gemeinsam eine Checkliste mit 20 sicheren Verhaltensweisen und Zuständen entworfen, die im weiteren Verlauf des Projekts von externen Beobachtern genutzt wurde.

Umsetzungsphase (Januar 2020 – September 2021)

  • Baseline (Basisratenerhebung)

Im Frühjahr 2020 wurde mit Hilfe dieser Checkliste in beiden Rettungswachen eine Basisrate des sicheren Verhaltens durch Verhaltensbeobachtungen (ohne Feedback) erfasst. Dabei wurde festgestellt, dass das sichere Verhalten im Schnitt bereits zu 52 % bzw. 57 % auftrat.

  • Phase 1 (Intervention)

Nach pandemiebedingter Verzögerung begannen die externen Beobachter im Sommer 2020, den Beschäftigten nach jeder Beobachtung zu den Verhaltensweisen der Checkliste Feedback zu geben. Dadurch stieg der Prozentsatz sicheren Verhaltens auf 76 % in beiden Wachen. Stichprobenartige Follow-Up-Beobachtungen im Sommer 2021 zeigten, dass diese Verbesserung des Sicherheitsverhaltens auch noch ein Jahr später, erhalten blieb.

  • Phase 2 (Follow-up)

Im Sommer 2020 wurde in einem zweiten Planungsworkshop das BBS-System DRK entwickelt. Dieses sah vor, dass sich die Beschäftigten selbst mit Hilfe von Beobachtungskarten gegenseitig beobachten und Feedback geben. Ab November 2020 wurde dieses System in den beiden Rettungswachen eingesetzt und führte auch hier zu messbaren Verbesserungen und einer Stabilisierung des sicheren Verhaltens.

Auswertungsphase

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass BBS nach entsprechend individueller Anpassung erfolgreich auf den Bereich des Rettungsdienstes übertragen werden konnte. Voraussetzung für eine erfolgreiche Übertragung ist, dass die Verhaltensbeobachtungen und das Feedback-Geben zuverlässig durchgeführt werden. Zudem konnte gezeigt werden, dass BBS im Bereich des Rettungswesens selbstständig durchführbar ist, die Verstetigung und Verselbständigung der BBS-Maßnahme hängt jedoch stark von dem Vorliegen bestimmter Begebenheiten, u. a. der Einbindung der Rettungskräfte in Entscheidungsprozesse und der aktiven Unterstützung und Verpflichtung durch die Leitung, ab.

Den Abschlussbericht des Projektes finden Sie auf der linken Seite unter „Weitere Informationen“.

Behavior Based Safety wirkt. Das ist das Ergebnis des Forschungsprojektes, das die UVB gemeinsam mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) und dem DRK durchgeführt hat. Unsere Erkenntnisse zur Wirksamkeit und zur Übertragbarkeit der BBS-Methoden haben wir in neue Präventionsangebote einfließen lassen. Beratung, Seminare, Handlungshilfen: Wir unterstützen Sie, wenn Sie in Ihrem Rettungsdienst ein BBS-System zur Förderung sicherer Verhaltensweisen aufbauen wollen.

Beratung

Was sind die Prinzipien von Behavior Based Safety (BBS)? Wie können wir sichere Verhaltensweisen in unserem Betrieb bzw. Rettungsdienst fördern? Welche Voraussetzungen müssen vor der Einführung von Behavior Based Safety erfüllt sein? Wie kann ich ein BBS-System in meinen Betrieb umsetzen?

Sie haben diese oder andere Fragen zur verhaltensorientierten Arbeitssicherheit? Wir beraten Sie gerne!

Ansprechperson zum Thema BBS:

Antje Stöwesandt
Telefon: 030 - 254489 1519
antje.stoewesandt@uv-bund-bahn.de
 

Qualifizierung

Wir bieten interessierten Rettungsdiensten eine kurze Online-Schulung  zur Einführung in das Thema Behavior Based Safety (BBS) an.

Ziel der Kurzschulung ist es,

  • einen Überblick über die Thematik BBS gewinnen,
  • die BBS-Prinzipien kennenzulernen,
  • den Nutzen und Mehrwert von BBS zu erkennen,
  • die Umsetzung von BBS im Rettungsdienst zu verstehen.

Sie haben Interesse? Mit unserer Ansprechperson zum Thema BBS können Sie einen Termin für eine Online-Schulung abstimmen.

Antje Stöwesandt
Telefon: 030 - 254489 1519
antje.stoewesandt@uv-bund-bahn.de
 

Zusätzlich bieten wir folgendes Seminar zu Behavior Based Safety im Rettungsdienst an. „Sicheres Verhalten fördern, Unfälle vermeiden – verhaltensbasierte Arbeitssicherheit im Rettungsdienst“

Die Teilnehmer/innen des Seminars erhalten das Anwenderhandbuch „Behavior Based Safety im Rettungsdienst“. Diese Handlungsanleitung beinhaltet alle im Rahmen der Forschungsprojektes gewonnenen Erkenntnisse zu BBS im Rettungsdienst. Es beschreibt detailliert die Voraussetzungen und die Vorgehensweise zur Einführung eines BBS-Systems und enthält viele hilfreiche Vorlagen und Muster, u.a. BBS-Betriebsvereinbarung.

 

Praxishilfen

Die UVB-Fachinformation „Verhaltensorientierte Arbeitssicherheit - Behavior Based Safety (BBS)“ gibt auf zwei Seiten eine kurze Einführung in das Thema und zeigt konkrete Umsetzungsmöglichkeiten auf.

Um Ihnen die Beantwortung der Frage „Sind wir bereit für die Einführung von Behavior Based Safety (BBS)?“ zu erleichtern, haben wir eine Checkliste entwickelt. Mit Hilfe dieses Selbsttests für BBS-interessierte Betriebe können Sie herausfinden, ob die erforderlichen Voraussetzungen für die Einführung der BBS-Prinzipien vorliegen.