Versicherungsfall „Corona“?

Eine Infektion erfüllt zunächst auch die Voraussetzung des Unfallbegriffs, weil der Auslöser die einmalige Ansteckung ist. Zu diesem Zeitpunkt ist jedoch noch keine Erkrankung ausgebrochen, da diese bei Infektionskrankheiten regelmäßig – wenn überhaupt – erst nach einer Inkubationszeit auftritt. Der reine Verdacht einer Infektion stellt daher keinen zu meldenden Versicherungsfall dar.

Aufgrund der längeren Phase zwischen Aufnahme eines Erregers und dem eventuellen Ausbruch einer Krankheit ist es oftmals schwierig, den erforderlichen Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit herzustellen, da meistens nicht mehr nachvollzogen werden kann, wann die Ansteckung erfolgte. Insbesondere bei der aktuell auftretenden Coronavirus-Erkrankung  können durchaus verschiedene Infektionswege in Betracht kommen, die auch im privaten Umfeld und damit im von der gesetzlichen Unfallversicherung unversicherten Bereich liegen können. Dies ist insbesondere durch den klinisch zunächst stummen Verlauf nicht genau abgrenzbar. Insofern kann es bei der rechtlichen Abwägung dazu kommen, dass der erforderliche Nachweis nicht gelingt.

Bei der Prüfung ist im Rahmen der Zusammenhangsfrage zu prüfen, ob sich ein berufliches Risiko verwirklicht hat und dieses und nicht andere Risiken zu einem Gesundheitsschaden geführt hat. Die Kausalität wird verneint, wenn eine allgemein wirkende Gefahr für das Unfallereignis verantwortlich ist. Die derzeitige allgemeine Lage in Deutschland lässt den Schluss zu, dass sich durch die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland und weltweit eine Allgemeingefahr verwirklicht hat, so dass außerhalb des Gesundheitswesens keine besondere berufliche Betroffenheit entsteht. Von einer Allgemeingefahr ist auszugehen, wenn in einem bestimmten Gebiet alle Menschen mehr oder minder gleich bedroht sind. Das heißt es liegt kein Arbeitsunfall vor, wenn sich eine Gefahr verwirklicht, von der eine versicherte Person zur selben Zeit und mit der gleichen Schwere auch außerhalb seiner versicherten Tätigkeit betroffen gewesen wäre. Die Betroffenheit ergibt sich zufällig und unabhängig von der versicherten Tätigkeit.

Bei Personen, die infolge der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit in bestimmten Bereichen einer gegenüber der allgemeinen Bevölkerung wesentlich erhöhten Infektionsgefahr ausgesetzt waren, kann bei der rechtlichen Prüfung der erforderliche Zusammenhang dann eher geführt werden. Hier sind insbesondere im Gesundheitswesen Tätige betroffen.

Für diesen Personenkreis kann es nach Einzelfallprüfung zur Anerkennung einer Berufskrankheit kommen (BK Nr. 3101 Infektionskrankheit, bei versicherten Personen im Gesundheitsdienst, der Wohlfahrtspflege, in Laboratorien oder bei anderen Tätigkeiten, die der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße ausgesetzt sind). Wenn bei diesen Personen eine positive Testung auf das Coronavirus vorliegt, sie entsprechende Krankheitszeichen zeigen und die Vermutung eines Infektionsweges über die berufliche Tätigkeit vorliegt, sollte eine Anzeige auf den Verdacht einer Berufskrankheit an den Unfallversicherungsträger übermittelt werden.